Dante-Jahr 2021: Engerts Dante-Biografie näherte dem Wetzlarer Publikum den großen italienischen Literaten

Nach so vielen Monaten ohne Präsenz-Veranstaltungen hat sich die Deutsch-Italienische Gesellschaft Mittelhessen e.V. sehr gefreut, endlich wieder Gäste und Publikum in den Räumlichkeiten der Phantastischen Bibliothek Wetzlar persönlich zu empfangen. Am Samstag, 30. Oktober 2021, wurde der Autor der einzigen Dante-Biografie in deutscher Sprache Dr. Klaus Rudolf Engert eingeladen, aus seinem 2019 erschienenen Buch „Dante und die Liebe seines Lebens“ zu lesen.

Die 1. Vorsitzende der DIG Mittelhessen e.V. Rita Schneider-Cartocci begrüßte den Referenten und die über 25 generationsübergreifenden Zuhörer, die unter der 3G-Regel erschienen sind. Dante ist ein sehr aktuelles und populäres Thema, das Alt und Jung begeistert. In Google gibt es unzählige Ergebnisse, wenn man das Stichwort „Dante“ eingibt. Und die DIG hat sich in der Vergangenheit bereits mit Dante in beliebten Veranstaltungen beschäftigt, z.B. im Inferno-Lesemarathon oder in der zweisprachigen Kinderlesung aus einem Inferno-Kinderbuch. 2021 jährte sich der Todestag von Dante Alighieri zum 700. Mal und der größte italienische Dichter und Literat wurde und wird weltweit mit Veranstaltungen geehrt: Mit dieser Lesung möchte auch die DIG einen Beitrag zu diesem Dante-Jahr leisten. 

Wie Dr. Klaus Rudolf Engert zur Idee einer Dante-Biografie kam, war ein Zufall, da er nie an so ein Werk gedacht hatte. Ihm wurde das Buch „Primum Mobile“ von Bruno Binggeli geschenkt und diese Kosmologie, die auch mit Dantes Jenseitsreise zu tun hatte, faszinierte ihn so sehr, dass er sich damit beschäftigen wollte. Dabei wurde er bewusst, dass keine Dante-Biografie in deutscher Sprache existierte und entschied sich, er selbst eine zu schreiben. Nach drei Jahren Recherchen, Materialsammlung und Klassifizierung und noch anderthalb Jahren Schreibarbeit, erschien „Dante und die Liebe seines Lebens“. Das ist kein Werk für Professoren und Literaturwissenschaftler, sondern ein Buch für jeden Interessierten, der Dante und seine Epoche mit einer angenehmen und erzählerischen Lektüre kennen lernen möchte.

Engert führte sein Publikum zuerst ins Florenz des 13. Jahrhunderts, wo Dante im Mai 1265 geboren wurde. Man bekam Einblicke in die damalige Gesellschaft und in die Persönlichkeit des jungen Dantes, der kein einfacher Mensch war und als einsame Figur, die seinen eigenen Weg geht, die Züge des großen Künstlers zeigte.

Die Lesung machte dann einen zeitlichen Sprung und brachte die Zuhörer am Anfang des 14. Jahrhunderts. An dieser Stelle wurden die Geschichte und die politische Szene von Florenz vorgestellt, was in Dantes Leben zur großen Bedeutung war. Er war nämlich politisch aktiv und aufgrund seiner politischen Zugehörigkeit musste er seine Heimatstadt Florenz und seine Ehefrau Gemma mit den vier gemeinsamen Kindern 1302 verlassen und den Rest seines Lebens im Exil verbringen. Er war ständig unterwegs in Norditalien auf der Flucht, auf Suche nach einem sicheren Ort und auch nach Bibliotheken. Er lebte dann zehn Monate in Verona bei der Signoria der Scaliger, wo er sich der Literatur widmete. Seine Abstraktionsfähigkeit machte ihn zu einem Vorläufer im Vergleich zu seinen Zeitgenossen. Dante erreichte am Ende Ravenna, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. In der Nacht zwischen dem 13. und dem 14. September 1321 starb er an Malaria.

In Engerts Buch wechseln sich Anmerkungen über den Literaten Dante mit Geschichte und Biografie ab. Am Ende der Lesung erläuterte der Autor noch einige Aspekte der „Göttlichen Komödie“, für die Dante 20 Jahre zwischen Konzeption und Realisierung brauchte. Die Reise Dantes ins Jenseits soll im Jahr 1300 angefangen haben, also in einem zentralen Jahr für die Menschen jener Epoche, das die Hälfte der Zeit auf der Erde und gleichzeitig die Hälfte des Lebens des damals 35-jährigen Dantes darstellte. Die „Göttliche Komödie“ besteht aus drei Büchern (Hölle, Fegefeuer und Paradies) mit insgesamt 100 Gesängen verschiedener Länge. Dante schrieb 14.233 Versen in Terzinen. Mit großer Bewunderung des Publikums zitierte Engert auswendig aus dem XXVI. Gesang von der „Hölle“ die längere Passage über Odysseus, die mit den berühmten Versen „Considerate la vostra semenza: / fatti non foste a viver come bruti / ma per seguir virtute e canoscenza“ endet.

Die Tradition der Dante-Lesungen in Italien begann bereits im 14. Jahrhundert und ist bis heute sehr beliebt. Zum Beispiel, 2006 rezitierte und kommentierte der Schauspieler Roberto Benigni Teile der „Göttlichen Komödie“ in seiner Show „Tutto Dante“, die zuerst in Italien, danach auch im Ausland ein großer Erfolg war.

Dr. Klaus Rudolf Engert recherchiert und arbeitet gerade an der Biografie eines weiteren Großen der italienischen Literatur, nämlich Giovanni Boccaccio.

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