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Online-Lesemarathon: DIG Mittelhessen e.V. gab Einblicke in den Roman „L’isola di Arturo“ von Elsa Morante und auf die italienische Kulturhauptstadt

Zum 8. Mal fand ein Lesemarathon aus einem wichtigen Werk der italienischen Literatur auf Initiative der VDIG (Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften e.V.) im Rahmen des Projekts „oli - omaggio alla lingua italiana - Wir lieben Italienisch“ statt. Für diese Ausgabe wurde der Roman „L’isola di Arturo“ (Arturs Insel) von Elsa Morante als Lektüre ausgewählt, weil die Insel Procida, Schauplatz der Geschichte, italienische Kulturhauptstadt 2022 ist.

Die VDIG konnte sich erneut (nach „Il Gattopardo“ 2020) über die wissenschaftliche Beratung von Dr. Maike Albath und über die freundliche Unterstützung des Verlags Klaus Wagenbach und © Elsa Morante Estate freuen. Der diesjährige Lesemarathon findet unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik Berlin und der Kommune Procida, der italienischen Kulturhauptstadt 2022 statt.

Am 3. März wurde die Auftaktveranstaltung in Hamburg im Italienischen Kulturinstitut gehalten, danach wurde der Lesemarathon in ganz Deutschland bei deutsch-italienischen Kultureinrichtungen online oder in Präsenz oder auch als Hybrid-Event fortgesetzt. Die Deutsch-Italienische Gesellschaft Mittelhessen e.V. hat sich wegen der noch nicht sicheren Corona-Lage für das Online-Format entschieden und hat Roman, Autorin und die Insel Procida am Donnerstag, 10. März 2022, in einem Vortrag mit Fotos und mit Lesehäppchen auf Italienisch und Deutsch vorgestellt.

Nach einer kurzen Begrüßung von der 1. Vorsitzenden der DIG Mittelhessen e.V. Rita Schneider-Cartocci und der Vorsitzenden der VDIG Rita Marcon, die immer mit Begeisterung teilnimmt, hat DIG-Vorstandsmitglied und Literaturexpertin Grazia C. Caiati die Moderation übernommen. Sie konnte locker und professionell die Zuhörer in die Welt des Romans eintauchen lassen, indem sie passende Auszüge auswählte, die zweistimmig vom 2. Vorsitzenden der DIG Fabrizio Cartocci als männliche Stimme des Protagonisten auf Italienisch und von Caiati selbst in der deutschen Übersetzung vorgelesen wurden. Abwechselnd wurden auch viele Informationen über Elsa Morante und den Roman gegeben sowie einladende Fotos von Procida gezeigt.

Ein Thema der Präsentation war die Insel als diesjährige italienische Kulturhauptstadt mit Hinweis auf die offizielle Webseite www.procida2022.com. Unter dem Motto „La cultura non isola“ /„Kultur isoliert nicht“ wird die Insel dieses Jahr an 330 Tagen mit 44 Projekten mit über 150 Veranstaltungen und 350 Künstlern aus 45 Ländern ein vielfältiges Programm anbieten. Dazu wurden entsprechende Texte aus dem Roman vorgelesen, die Eindrücke über die traumhafte Insel und ihre Landschaft vermittelten.

Caiati stellte dann die Schriftstellerin Elsa Morante (Rom, 1912-1985) vor und gab einen Überblick über ihre literarische Produktion. Morante war eine unruhige Autorin, die sehr lange für die Verfassung eines Buches brauchte – für „L’isola di Arturo“ brauchte sie 8 Jahre! Weitere bekannte Romane von ihr sind u.a. „Menzogna e sortilegio“, „La storia“ und „Aracoeli“. Zitate aus der Literaturkritik verdeutlichten, dass ihr Stil realistisch-fantastisch, aber auch metaphorisch, reich an Symbolen ist. „L’isola di Arturo“ erschien 1957 und wurde mit dem Premio Strega ausgezeichnet. In diesem Roman geht es um den 14jährigen Arturo, der eine schwierige Beziehung zu seinem abwesenden und gleichzeitig vergötterten Vater hat und sehr einsam in seiner idealisierten Welt lebt. Um erwachsen zu werden, muss der Junge alle Prüfungen, die das menschliche Leben bereithält, bestehen, wie Morante selbst ihr Buch beschreibt.

Die Auswahl der Textauszüge ließ einen Einblick in die komplizierten Familienverhältnisse Arturos, in seine Gefühle und in sein Erwachsenwerden werfen. Die Zuhörer konnten die Einsamkeit des Jungen, seine Verehrung des Vaters, die Einfachheit des Lebensstils von Vater und Sohn erfahren. In einer weiteren Passage erzählte Arturo von der Ankunft seines Vaters zusammen mit dessen zweiten Ehefrau, einer jungen Neapolitanerin, die für den Jungen den ersten Kontakt zu einer weiblichen Figur bedeutete und kontrastreiche Reaktionen zwischen Hass, Liebe und Eifersucht in ihm entstehen ließ. Als Schluss wurden die letzten Seiten des Romans gelesen. Arturo hat psychologisch viel durchgemacht und die Wahrheit über seinen Vater erfahren, der in der Tat homosexuell war und einen Geliebten hatte. Arturo ist jetzt erwachsen geworden und verlässt die Insel, als ob sie nie existiert hätte.

Durch die Texte und die Übergänge, die Caiati deutlich zusammenfasste, konnte man sich ein Bild vom Roman gut machen, auch wenn man ihn noch nicht gelesen hatte. Umso mehr bekamen die Zuhörer Lust, dieses Buch zu lesen, die mythische Procida literarisch zu entdecken und die Insel in diesem Jahr noch zu besichtigen, um von den Initiativen im Rahmen der italienischen Kulturhauptstadt zu profitieren. 

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